Chronik der Großgemeinde Sigmundsherberg – Wir Missingdorfer

Chronik der Großgemeinde Sigmundsherberg

von Gend. Bez.Insp. Leopold Rieder

Herausgeber und Verleger: NÖ Bildungs- und Heimatwerk

Missingdorf

Altsteinzeitlich Funde (4000 v.Chr.) lassen darauf schließen, dass Missingdorf zu einer der ältesten Siedlungen unserer Gegend gehört. Aber auch nordwestlich von Missingdorf, zur Riede „Seewiese“ gehörig, wurden bei Rodungsarbeiten in den Jahren 1937/38 von DI Walter Sommer, Missingdorf 1, Steinwerkzeuge (Steinhammer, Steinmesser, Steinkeil) und Scherben von Tonkrügen aus diesem Zeitalter gefunden, was beweist, dass nicht nur Missigdorf, sondern auch die Gegend herum altes Siedlungsgebiet ist.

Der Nordwald reichte bis Missingdorf.

Missingdorf ist 3,07 km2 groß und ein Längsangerdorf. Es liegt 388 m hoch.

Im Jahre 1938 kam Missingdorf, bis dahin selbständig, zur Großgemeinde Kattau. Nach Kriegsschluss  im Jahre 1945 wurde es wieder selbständige Gemeinde. Mit 1.1.1972 kam es auf freiwilliger Basis zur Marktgemeinde Sigmundsherberg.

Im Jahre 1775 hatte der Ort 37 Häuser, 1861 243 Einwohner, 1880 42 Häuser und 233 Einwohner, 1900 43 Häuser und 231 Einwohner, 1923 45 Häuser und 198 Einwohner, 1934 47 Häuser und 184 Einwohner, 1965 47 Häuser und 156 Einwohner und 1972 50 Häuser und 148 Einwohner.

Die Entstehung des Ortes ist unbekannt. Der Ortname scheint in den ältesten Quellen als Mizzindorf (1156 und 1192), dann Mizzingdorf (1207 und 1282) oder Mizzingedorf (1283), aber auch Missingendorf (1280, 1350) hie und da auch Missendorf geschrieben auf.

Der Name kommt von dem adeligen Geschlecht, welches in Missingdorf ein Schloss hatte und ist in einem ungarischen Grafen Mizze belegt.

Einige aus dem Geschlecht der Missingdorfer: Erster ist Heinrich von Mizzendorf, der 1156 und 1192 in einer Urkunde der Grafen Chunrad und Heinrich Playen und Hardegg angeführt ist. Er wird 1172 mit seinem Schloss unter den Ministerialen von Österreich neben Hardegg, Kattau, Therasburg, Oberhöflein u. a. genannt. Gestorben ist er wahrscheinlich im Jahre 1207. Zweiglinien scheinen in Steinabrunn, Dobra und Goggitsch auf.

Heinrichs Nachkommen hatten Besitzungen in Sievering, Wien, Rassingdorf, Nonnersdorf, Heiligenberg, Neusiedel, Grafensulz, Breitensee, Glaubendorf, Gugging, Dobra, Rottenstein, Naglern, Tiefenbach, Sachsendorf, Roggendorf, Goggendorf u.a.m. und Zehente in verschiedenen Orten, darunter auch Kainreith.

Im Jahre 1280 ist Heinrich III. von Missingdorf unter den Zeugen, als das Stift Geras sein Bergrecht bei Rafing dem in dieser Gegend schon lang begüterten Stifte Zwettel verkaufte, desgleichen bei einem Kaufvertrag vom 25. Jänner 1282 und am 25. Dezember 1287. Im Jahre 1292 kaufte er von Albero von Hohenstein einen Wald bei Pulkau und wird wieder als Zeuge bei einem Kauf im Jahre 1293 angeführt.

Ein weiterer aus diesem Geschlecht war Michael von Missingdorf. Er und seine Frau Magrete kommen meistens in Wien vor, wo sie am 20.9.1369 ihr Haus in der Raifstraße verkauften. Am 15.10.1379 verkauften sie ein Haus bei der Himmelpfortgasse, am 26.3.1380 ein Haus in der Krugerstraße und am 21.1.1381 ein Haus in der Johannesgasse.

Seybot von Missingdorf verkaufte am 28.5.1372 in Wien sein Haus am Schweinemarkt um 70 Pfund Pfennige dem herzoglichen Kammermeister Hans dem Suefner und kaufte am 20.2.1383 von Agnes von Missingdorf drei Lehen zu Missingdorf.

Ritter Ulrich von Missingdorf verzichtete am 11.10.1390 auf Besitzungen zu Hetzmannsdorf bei Hollabrunn zugunsten des Niklas Floyht zu Starrein und der Brüder Georg und Otto von Pultendorf.

Johann von Missingdorf, der schon 1399 neben Stephan als Vetter urkundlich genannt wird, verpfändet am 25.4.1403 dem Wiener Schottenstifte den Drittelzehent in Missingdorf und Rafing, den ihm Hans der Ameiser und Stephan von Alanzpeckh abgetreten hatten.

Stefan II. der Missingdorfer war 1406 Burggraf von Maissau, 1415 war Peter Missingdorfer dort Burggraf.

1434 stiftete ein Ritter von Missingdorf in der Wiener Schottenabtei eine Messe mit Gülten  zu Dallein und Purgstall.

Als im  Jahre 1451 die niederösterreichischen Stände in Mailberg tagten, war auch ein Missingdorfer, Wolfgang von Missingdorf, zugegen. Dieser war 1459 auch Besitzer von Therasburg. In diesem Jahr lieh er, Herr zu Missingdorf, Steinabrunn und Therasburg, dem Sigmund Stockharner 400 Pfund. Im gleichem Jahr, am 5. März, Beschwerte sich Georg (Podiebrad) König von Böhmen und Mähren, von Glaz aus bei der Stadt Wien, dass einige seiner Untertanen durch den Rosenharts und Wolfgang Missingdorfer gefangen worden seien und ersuchte um ihre Freilassung.

In den Jahren 1458 und 1459, als die böhmischen und mährischen Einfälle in Niederösterreich immer heftiger wurden, wurde Wolfgang Missingdorfer von den Chronisten als derjenige genannt, der im ununterbrochenen Kampfe mit den Böhmen und Mähren lag.

1473 schloss sich Wilhelm Missingdorfer zu Dobra mit anderen Rittern dem Pernsteiner zu Therasburg und den eingefallenen Böhmen an und plünderte das Waldviertel.

Johann II., der letzte Missingdorfer, starb im Jahre 1513. Seine Güter gingen in den Besitz seiner Schwester Marta, verehelichte Volkhra, später die Freiherren und Grafen von Volkhra und Greilenstein und Dorna, über.

Einer der Bedeutendsten aus diesem Geschlechte war Georg Andreas Volkhra, Graf von Greilenstein, Freiherr zu Steinabrunn und Streitdorf und Herr zu Missingdorf. Er war kaiserlicher Kämmerer und Oberfalkmeister. Gestorben ist er am 6.4.1711.

Im 14. Wiener Gemeindebezirk gibt es jetzt noch eine Missindorfstraße.

Das Wappen der Missingdorfer ist ähnlich dem österreichischen Bindeschild, in einem grünen Feld befindet sich ein goldener Querbalken. Auf dem Schilde ist ein offener Helm mit darübergestellten Adlerflügeln.

Zu erwähnen wäre noch, dass im Jahre 1649 ein Friedrich Mathias Wolzogen de Missingdorf an der Universität zu Siena studierte.

Besitzer des Stammschlosses Missingdorf war um 1466 Ulrich Alanzpeckh, Sohn des Stephan Alanzpeckh und der Anna Kadauerin, und 1470 wird Friedrich Krafft Herr zu Missingdorf genannt.

Im Jahre 1601 ist Johann Linsmayer Besitzer von Missingdorf, und 1602 wird ein Dr. Johann von Greifenberg Herr zu Missingdorf genannt. Am 20.6.1603 behielt sich Hans Stockhorner zu Starrein seine Einkünfte von Missingdorf. Das Gut wurde auf 17.199 fl geschätzt. Später erwarb dann Sebastian Lindeck Missingdorf, von dem es auf Hans Ehrenreich von Oppel überging, der auch Therasburg und Kattau besaß. Im Jahre 1669 kaufte Georg Julius von Gilleis Missingdorf, in dessen Geschlecht es bis 1827 verblieb. Auch Therasburg und Kattau gehörten zu seinem Besitz. In den Jahren 1827 – 1832 wurden alle drei Herrschaften wegen Verschuldung durch die Landrechte verwaltet. Ritter Josef von Hampel kaufte dann 1832 Missingdorf mit Kattau und verkaufte sie 1839 dem Ritter Josef von Neuhaus, der seinen Wohnsitz in Kattau hatte. Missingdorf sank zu einem Meierhof herab, in dem der Förster wohnte, der den Herrschaftswald betreute, wogegen die Landwirtschaft von Kattau aus verwaltet wurde. Später erwarb Missingdorf Baar von Barenfels, der dann den Besitz an Dr. Rudolf Schinko verkaufte. Von dessen Erben erwarben in Jahre 1965 Christof und Elisabeth Schneider das Gut mit der Landwirtschaft, nachdem schon vorher ca. 44 ha Äcker an Landwirte abverkauft worden waren.

Der Gutswald wurde an nö. Siedlungsgesellschaft zur Aufstockung von bäuerlichen Betrieben verkauft.

Das bestehende Patronat wurde aufgelöst. Es bestand für die Kirche in Kattau.

Das Schloss Missingdorf, inmitten des Ortes stehende, war im 17. Jh. zu einem Wasserschloss ausgebaut worden. Nach einer Abbildung in der Topographie G.M. Vischers vom Jahre 1672 ist es zweigeschossig, war mit Erkern und drei Türmen versehen und einem Wassergraben umgeben. Reste des Wassergrabens sind heute noch zu sehen. Von den drei erwähnten Türmen steht heute nur noch der südseitige Turm. Dieser Turm aus dem 12. Jh. dient jetzt als Betkapelle.

Zum Schloss gehörten ein Bräuhaus, ein Gasthaus und ein Garten.

Zur Zeit der drohenden Türkeninvasion war es im Jahre 1683 eine Zufluchtsstätte für die Bevölkerung der Umgebung.

Außer der Herrschaft Missingdorf hatten auch andere Grundbesitzer Güter in Missingdorf.

So verkauften am 9.12.1293 Konrad Fulsach und Otto von Schrettenberg ihre Erbgüter in Missingdorf, die sie durch ihre Gattinnen erheiratet hatten, dem Stifte Zwettel am 46 Pfund. Diese Erbgüter waren: 4 Bauerngüter, 4 ½ Feldlehen, die Mühle an der Pulkau  „zum Brücklein“, 1 Wald von der Mühle bis zum Wald des Heinrichs von Missingdorf, von diesem durch einen großen Stein und einen Graben geschieden, ein Acker beim See, vulgo Uferheide, dann ein Acker neben den Weg nach Purchendorf(abgekommene Siedlung), dessen Hälfte ohnehin dem Stifte vom Rechts wegen gehörte. Ferner 37 Pfennige von Weingärten bei Missingdorf und 20 Pfennige Burgrecht von Äckern. Von all diesen Gütern, mit Ausnahme des Waldes, rechnete man jährlich 4 Pfund Einkünfte. Der Kaufvertrag erwähnt auch einen Baumgarten mitten in Missingdorf.

Das Zwettler Stiftungsbuch zählt dann die stiftlichen Einkünfte von Jahre 1293 auf: Drei Güter, von denen zwei je 7 Schilling ohne 1 Denar, das dritte 6 Schilling ohne 4 Denare, das mittlere Gut 3 Schillinge ohne 2 Denare dem Hofmeister in Rafing dienen. Von einem Feld ebendort 3 Schillinge ohne 3 Pfennige, von zwei Feldern 60 und 69 Pfennig, von der Mühle an der  Pulkau 68 Pfennig und ein Faschingshuhn. Von den Äckern diente Ditmar 15, Chnauzzo 5 Pfennig, von den Weingärten Genutta, die Witwe 7, Sifrid, Liebusch 7, Ulrich der Offizial 7, Wueler 9 Pfennig zu Michaeli. Weiters diente ein gewisser Andreas von einem Lehen in Missingdorf 3 Schilling ohne 2 Pfennig sowie einige Bergrecht von etlichen Weingärten, welches dem Hofmeister in Rafing zu entrichten war.

Untertanen in Missingdorf hatten auch die Grafen von  Hardegg. Am 19.3.1500 belehnte in Wien Heinrich Graf von Hardegg den Heinrich Florstet mit dem Drittelzehent in Missingdorf. Am 12.2.1516 wurde von Johann von Graf zu Hardegg Veit Streun zu Schwarzenau und am 21.8.1523 des gleichen Grafen Pfleger zu Ober-Rußbach, Georg zu Reinwolt zu Reinwoltz mit dem Drittelzehent belehnt.

Um 1584 hatte Graf Karl zu Hardegg in Missingdorf 22 Holden.

Am 17.8.1500 siegelte Stefan Müllwanger von Missingdorf den Revers des Augustin Purstinger, Bürger zu Eggenburg wegen Verleihung der Hardegger Zehente in Schrems. Laut Urbar der Herrschaft Kattau vom Jahre 1643 hatte die Pfarre Kattau 6 Untertanen und den Drittelzehent in Missingdorf und Rafing.

SONSTIGE BEGEBEHEITEN

1737:
stürzte der 30-jährige Zimmermann Johann Georg Schallhaus aus Missingdorf in Kattau und war tot.

1776:
Dorf Missingdorf gehörte zum Land- und Zimentierungsbezirk  Eggenburg.

1795:
Poststation zur Abgabe von Briefen war Maissau. Der Ort  gehörte zum Werbebezirk des Regimentes Toskana. Die Herrschaft Limberg übte das Landgericht, die Herrschaft Missingdorf, die auch Untertanen in Missingdorf hatte, übte die Ortsobrigkeit aus.

1805 und 1809:
Die Franzosen  streiften Missingdorf.

1861:
Bürgmeister war Josef Ulmer, Gemeinderäte waren Vinzenz Kellner und Josef Bauer und dem Ausschuss gehörten Georg Zeitlberger, Johann Kautherer, Leopold Zieger, Anton Wagner und Josef Geist an.

1866:
zogen die Preußen durch Missingdorf

1888:
Gründung eines Landwirtschaftlichen Casinos (1888 – 1928)

14.8.1890
Ein Gewitter mit Hagel richtete großen Schaden an.

14.6.1904:
Ein Gewitter mit Hagel war derart stark, dass noch 8 Tage später Eis bei der Schwemme lag.

1914:
Bei Ausbruch des Weltkrieges mussten sofort 13 Männer einrücken.

16.2.1919:
fand die Wahl der Abgeordneten in den  Nationalrat statt. Ergebnis: 85 Stimmen für das christliche Programm, 17 für die Sozialdemokratische Partei und 2 für die Deutsche Partei.

1920:
Der Lehrer Fleischhacker beschwerte sich über die Verrohung der Jugend in Missingdorf.

16.5.1920
Weihe der Gedenktafel für die Gefallenen des 1. Weltkrieges in der Kapelle.

7.3.1923:
Volkszählung. Ergebnis: 45 Häuser, 198 Personen, davon 100 weibliche und 98 männliche.

21.9.1924:
Der Ort wurde an das elektrische Lichtnetz angeschlossen.

25.8.1927:
Unwetter mit Hagelschlag.

17.7.1928:
Ein Unwetter mit Hagelschlag vernichtet den Großteil der Ernte

1929:
Verrohrung des Straßengrabens in der Ortsmitte.

11.5.1930:
Gründungsfest der F. Feuerwehr /Gründung 1928

20.3.1931:
verunglückt tödlich durch einen Sturz von der Leiter der 82-jährige Josef Obermeier.

1931:
Äschert ein Feuer das Haus des Josef Hengsberger ein.

5.6.1932:
Ankauf einer Motorspritze für die F.Feuerwehr.
Der Weihbischof von Wien, Kamprath, besuchte Missingdorf.

1933:
Die im Ort aufgetretene Knochenweiche vermindert  den Rinderbestand.

18.6.1933:
Motorspritzenweihe und Weihe des im selben Jahr errichteten Zeughauses der F. Feuerwehr, in dem auch die Gemeindekanzlei untergebracht ist.

19.2.1937:
Ludwig Neuburger vom Haus Nr. 27 und der bei ihm bedienstete 16-jährige Bursche namens Hurtl verunglückt tödlich bei einer Gewölbereparatur des Kellers.

25.7.1937:
Ein Unwetter mit Hagelschlag vernichtete die Ernte.

1940:
Belgische Kriegsgefangene arbeiten in der Landwirtschaft.

1945:
Die Schule diente zeitweise als Unterkunft der deutschen und später der russischen Soldaten. Flüchtlingsfamilien nahmen im Ort Unterkunft.

20.5.1946:
Josef Krenn vom Haus Nr. 12 wurde auf der Straße zwischen Missingdorf und Sigmundsherberg von Soldaten der russischen Besatzungsmacht erschossen.

1947:
Die 1. Telefonanlage im Ort wurde in Betrieb genommen.
Gründung eines Bienenzuchtvereines.

1948:
Aushebung des Feuerlöschteiches, der 1950 ausgemauert wurde.

2.5.1951:
Ein wolkenbruchartiges Gewitter mit Hagelschlag richtete großen Schaden an.

15.7.1952:
In einem Waldstück außerhalb Missingdorfs wurde der stark verweste Leichnam des seit über einem halben Jahr abgängigen Pensionisten Alois  Wagner vom Haus Nr. 1 gefunden.

9.7.1953:
Ein Wolkenbruch mit Hagelschlag richtete großen Schaden an.

4.12.1955:
Franziska Wingelhofer feiert ihren 90. Geburtstag.

30.5.1957:
Notlandung eines Segelflugzeuges.

1957:
Sparvereinsgründung (1957 –1971)

1958:
Asphaltierung der Straße Sigmundsherberg – Missingdorf.

1960:
Errichtung der Tiefkühlanlage.

1962:
Gründung des Elternvereines der Volksschule Missingdorf.

9.5.1962:
Ein Wolkenbruch mit Hagelschlag richtet großen Schaden an. Durch die Wassermassen brach der Bahndamm außerhalb Missingdorfs.

15.8.1963:
wurde das neue Kriegerdenkmal eingeweiht. Neun Männer fielen im 1. Weltkrieg, vierzehn im 2. Weltkrieg.

1964:
Beginn mit den Sanierungsarbeiten der Ortsstraße,  Asphaltierung erfolgte im Jahre 1965.

10.11.1964:
Ein durch Funkenflug ausbrechendes Feuer  vernichtete einen Schuppen und das Stallgebäude der Landwirtin Maria Hengsberger, Haus Nr. 23 sowie einen Schuppen und die Scheune der Landwirtin Maria Wagner, Haus Nr.22.

15.10.1965:
Landeshauptmann Figl besuchte den Ort.

17.10.1966:
Aus unbekannter Ursache brach in der Scheune  des Landwirtes Christoph Schneider, Haus Nr. 18, ein Brand aus, der die Scheune und die darinnen befindlichen Maschinen vernichtete.

1967:
wurde mit dem Neubau der Ortsumfahrung (Sigmundsherberg – Pulkau) begonnen.

1.1.1972:
Der Ort schloss sich mit Sigmundsherberg zur Großgemeinde Sigmundsherberg zusammen. Staubfreimachung der Straße nach Theras.

1975:
Kommassation

1979:
Staubfreimachung der Straße nach Kattau.

26.6.1979:
verunglückte tödlich bei einem Verkehrsunfall bei der östlichen Ortseinfahrt  in Rodingersdorf der Arbeiter Walter Herzog vom Hause Nr. 27.

Von Bedeutung in Missingdorf ist der erwerbsmäßige Obstbau. Im Jahre 1937 begann sich der damals arbeitslose Maschineningenieur Walter Sommer mit diesem zu befassen. Er kaufte in diesem Jahr mit Otto Göthans von Baar von Barenfels in der sogenannten „Seewiese“ eine 30 ha große abgestockte Waldfläche und begann mit der Rodung. Inzwischen machte er den Meister für Gartenbau und setzte im Jahre 1938 die ersten Buschbäume. Beraten wurde er von dem in Deutschland lebenden Obstbauern Schmitz-Hübsch, der ihm auch die Bäume lieferte. Seinen Unterhalt fristete er mit einer in Walkenstein gepachteten Obstanlage.

Nach dem 2. Weltkrieg interessierten sich neben Sommer und Göthans auch Rudolf Wetter und Helmut Steffl für den Obstbau, wodurch weitere Anlagen entstanden. Dadurch gehört heute Missingdorf zu den bedeutendsten Obstbaugebieten Niederösterreichs.

Das Wahrzeichen von Missingdorf ist der am östlichem Ortsausgang stehende Schüttkasten, Haus Nr. 1. Er wurde im 17. Jht. erbaut. Einst dürfte er zur Herrschaft gehört haben. In der Zeit Kaiserin Maria Theresias diente er als militärisches achschublager. Später ging er in Privatbesitz über und war teilweise zu Gasthauszwecken adaptiert. Heute dient er zu Wohnzwecken und zum anderen Teil als Lagerraum für Obst.

Im anschließendem Wirtschaftsgebäude befindet sich ein schöner Torbogen.

Am selben Ortsausgang, an der ehemaligen Bundesstraße nach Rafing, steht eine vierkantige Steinsäule, deren Kanten im Mittelteil zu acht Kanten abgeschrägt sind, darauf ausladende Steinplatte, auf der ein Tabernakelaufsatz mit halbkreisförmiger Nischenöffnung steht. In der Nische steht die Statue der schmerzhaften Muttergottes. Auf dem Schaft befindet sich
die Jahreszahl 1822.

Die Bürgermeister ab 1919:
Josef Hengsberger 1919 – 1924
Josef Haller 1924 – 1929
Josef Haller Nr. 28 1929 – 1935
Josef  Haller Nr. 21 1935 – 1938
Anton Schleinzer 1945 – 1964
August Kellner 1964 – 1970
Wilhelm Weber  1970 – 31.12.1971

1938 – 1945 gehörte Missingdorf zur Großgemeinde Kattau.

Pfarrzugehörigkeit und Kapelle Missingdorf gehört zur Pfarre Pulkau und somit zur Erzdiözese Wien. Es ist der einzige Ort der Großgemeinde Sigmundsherberg, der nicht zur Diözese St. Pölten gehört.

Im Jahre 1786 waren Bestrebungen im Gange, eine eigene Pfarre Missingdorf und Rafing zu errichten. Die diesbezüglichen Eingabe ist aber von der kaiserlichen Regierung abgelehnt worden.

Einst hatte die Pfarre auch Besitz in Missingdorf. So verpachtete am 25.7.1666 der Pulkauer Pfarrer Heinrich Rentz den Pfarrzehent in Missingdorf an Hans Ehrenreich von Oppel, Herr zu Missingdorf.

Die Betkapelle im Ort ist einer jener der drei Türme, von denen einst das Schloss umgeben war. Dieser massive viereckige Turm stammt aus dem 12. Jh. und wurde 1405 mit einem Kreuzrippengewölbe versehen. Der Altarraum scheint im 18. Jh. zugebaut worden sein. Das Stockwerk des Turmes zeigt gotische Fenstereinfassungen aus Stein, birgt eine Gebetglocke und trägt ein Pyramidendach.

Die Kapelle ist dem hl. Jakob geweiht.

Der Altar stammt aus dem 17. Jh. Das Altarbild zeigt die hl. Maria, ihren vom Kreuz abgenommenen Sohn Jesus im Schoß haltend.

Die Schule
Bis zum Jahre 1875 gehörte Missingdorf zum Volksschulsprengel Rafing und war vorher (5.11.1805) nach Kattau eingeschult. 1875 schied Missingdorf aus dem Volksschulsprengel Rafing, nachdem es vorher mit dem Bau einer eigenen Schule begonnen hatte.

Auf Grund eines Beschlusses des damaligen  Gemeinderates mit Bürgermeister Anton Wagner, den Gemeinderäten Leopold Hammer und Ignaz Geist sowie den Ausschussmitgliedern Vizenz Kellner, Josef Ulmer, Franz Mang, Alois Hornung, Georg Schienbein und Johann Schmied wurde das heute noch stehende, jedoch in privater Hand befindliche Schulhaus gebaut, in dem am 13. November 1875 der Unterricht aufgenommen worden ist. Für den Bau der Schule erhielt die Gemeinde zu ihren Eigenmitteln von der Landesregierung eine Subvention von 800 fl. Außerdem beteiligte sich am Schulbau die Gutsherrschaft Kattau mit Baumaterial und Geldbeträgen.

Mitglieder des 1. Ortsschulrates waren: Josef Ulmer als Obmann, Leopold Hammer als Schulaufseher sowie Vizenz Kellner, Ignaz Geist und Anton Wagner als Mitglieder.

Zum ersten Schulleiter ist der an der Knabenschule in Cernowitz tätige Lehrer Friedrich Kowalewsky bestellt worden.

Im Schuljahr 1876/77 haben 47 Kinder (24 Mädchen und 23 Knaben) die Schule besucht.

Im Jahre 1940 ist infolge Lehrermangels (Kriegsdienst) Rafing nach Missingdorf eingeschult worden. Die Einschulung wurde später wieder aufgehoben.

1945 diente die Schule zeitweise als Unterkunft der deutschen und später der russischen Soldaten.

1951 ist sie zum letzten Mal renoviert worden.

Im Jahre 1965 wurde die Schule wegen Kindermangels aufgelassen und der Ort nach Sigmundsherberg eingeschult.

Die Lehrer der Schule Missingdorf:
Kowalewski Friedrich   1875 – 1878
Witting Ferdinand   1878 – 1905
Wollaneck Edmund   1905 – 1906
Fleischhacker Josef    1906 – 1923
Hauke Josef    1923
Neuwirth Karl  1923 –1927
Karch Leopold  1927
Wanko Hermann  1927 – 1956
Manschein Hedwig 1956 – 1965